Lande Hekt (UK)
Konzert
Lande Hekt ist still und heimlich zu einer der besten Underground-Songwriterinnen Großbritanniens geworden. Auf ihrem Debütalbum Going To Hell von 2021 und dem Nachfolger House Without a View von 2022 erforschte sie ihre queere Identität, Nüchternheit und Kindheitstraumata – verpackt in gefühlvollen, dialogartigen Indie-Pop, der ihr Support-Slots für Bands wie Alvvays, Throwing Muses und The Beths einbrachte. Ihr neues Album Lucky Now, geschrieben und aufgenommen mit Produzent Matthew Simms (Wire, It Hugs Back), zeigt Lande Hekt in ihrer bislang reifsten und selbstbewusstesten Form. „Ich mache mir nicht mehr so viele Gedanken darüber, wie ich mich präsentiere”, sagt Hekt. „Ich versuche, weniger darüber nachzudenken, wie etwas wirkt, und einfach Songs zu schreiben, die mich mit mir selbst und meinen Werten verbinden.” Hekts musikalische Bezugspunkte – The Wedding Present, The Sundays, The Replacements – sind dieselben geblieben. Gleichzeitig hat sie sich aber auch tiefer mit anderen Einflüssen auseinandergesetzt. Lucky Now ist stark geprägt von Twee-Pop und Jangle-Pop der 1980er, etwa von The Pastels, Tallulah Gosh und The Bats – sowie von moderneren Vertretern dieses Sounds wie Autocamper und Jeanines, was sich in den ekstatischen, aufsteigenden Melodien und den wunderschönen, greifbaren Gitarren zeigt. Der Klang passt zu Hekts neuer lyrischer Haltung: Auch wenn Verzweiflung und Angst immer wieder durchschimmern, gräbt sie tief, um Dankbarkeit zu finden. „Ich wollte versuchen, etwas Positiveres zu schaXen – was ich generell versuche öfter zu tun – einfach, um nicht auseinanderzufallen”, sagt Hekt. Passend dazu ist der Opener „Kitchen ii” ein Lovesong über das Teilen einfacher, häuslicher Momente mit der Partnerin, während „Rabbits” ein hoXnungsvoller Song ist, inspiriert von einer Sommersonnenwende, die sie auf dem Glastonbury Tor verbrachte. Der langsamere, akustisch geprägte Track „Middle of the Night” handelt davon, „zum ersten Mal im Leben wirklich glücklich zu sein”, wie Hekt erzählt. Mit Songs wie „Circular” („Sie ändern Gesetze, als wäre es ein Spiel, und wir sind die Bauern, die gezogen werden”) und „A Million Broken Hearts” kehrt Hekt auch wieder zu politischeren Texten zurück – nachdem sie in einer Phase der Desillusionierung Politik in Musik und Leben weitgehend vermieden hatte. „Wenn man sich von der Vorstellung mitreißen lässt, dass politisches Engagement irgendwie peinlich ist, dann ist das extrem gefährlich”, sagt Hekt heute. „Es ist wirklich wichtig, einen Weg zu finden, das abzulehnen.” Während des Aufnahmeprozesses zog Hekt außerdem von Bristol zurück in ihre Heimatstadt Exeter. Den Abschlusssong von Lucky Now, „Coming Home”, schrieb sie über das Gefühl, nach einer langen Tour dorthin zurückzukehren – vertraute Gerüche, bekannte Gesichter. In vielerlei Hinsicht geht es bei Lucky Now ums Zurückkehren – zur Freude, zu Orten und Anteilen des eigenen Selbst, die einst zurückgelassen wurden. Wer man früher war, kann unerreichbar wirken – aber manchmal kann man eine Brücke bauen.